unsere neue Orgel

Das Christusmysterium zum Klingen gebracht“

Oberisling (cjg) – Am vergangenen Christkönigssonntag hatte das lange Warten endlich ein Ende: Im Rahmen eines Festgottesdienstes segnete Weihbischof Dr. Josef Graf die neue Winterhalter-Orgel in der vollbesetzten Filialkirche St. Benedikt. Und viele Gläubige wischten sich heimlich Tränen der Rührung aus den Augen, als Festorganist Prof. Norbert Düchtel das neue Instrument nach der Weihe erstmals erklingen ließ. Nach dem Gottesdienst wurden beim Sektempfang der Pfarreiengemeinschaft Hohengebraching Matting auch Erinnerungen an die neun Jahre ausgetauscht, in denen der Orgelbauverein St. Benedikt mit unermüdlichem Arbeitseinsatz einen großen Teil der erforderlichen finanziellen Mittel für dieses Neubauprojekt sammelte. Der Festtag klang am Nachmittag mit dem ersten offiziellen Konzert aus, für das der Orgelsachverständige Gerhard Siegl Stücke aus verschiedenen Epochen ausgewählt hatte, um die unterschiedlichen Klangfarben des rundum gelungenen Instruments vorstellen zu können.

Den Festgottesdienst zelebrierte Weihbischof Dr. Graf, als Konzelebranten fungierten Pfarrer Stefan Haimerl, Domvikar emeritus Monsignore Richard Völkl, der Oberisling seit Jahrzehnten eng verbunden ist, sowie Pfarrer Georg Frank, der Bauherrn der Filialkirche St. Benedikt.

Für diesen Tag hatten der Kirchenchor St. Benedikt unter der Leitung von Albrecht Wieler und Prof. Düchtel die Missa festiva des Burglendenfelder Komponisten Hubert Zaindl einstudiert. Da eine Kirchenorgel nicht vor der Weihe gespielt werden darf, sang der Chor St. Benedikt das Kyrie noch mit Klavierbegleitung.

Dann war der lange erwartete Moment gekommen. Weihbischof Dr. Graf segnete das neue Instrument mit Weihwasser, inzensierte es mit Weihrauch und betete: „Segne diese Orgel, die für die Feier unseres Gottesdienstes bestimmt ist. Gib, dass unsere Herzen mit dem Klang unserer Lieder zusammenstimmen. Unser Gesang und die Musik dieses Instrumentes mögen uns im Glauben bestärken und uns gegenseitig in Christus auferbauen. Bewahre uns in der Treue zu dir und führe uns in deine Herrlichkeit, wo wir dich ewig mit den Chören der Himmel loben und preisen. Durch Christus, unsern Herrn. Amen.“ Nun war die 32jährige Zeit der Provisorien endgültig vorüber.

Während der Weihbischof in den Altarraum zurückkehrt, durfte nun endlich die Winterhalter-Orgel erklingen. Prof. Norbert Düchtel spielte die Sonate II op. 65 von Felix Mendelssohn – Bartholdy als erstes Orgelstück. Unter den vielen Gläubigen, die in der Kirche St. Benedikt zusammengekommen waren, um Gott für das Geschenk der neuen Orgel zu danken, waren besonders die „Pfeifenpaten“ gespannt, zum ersten Mal den Klang „ihrer“ Pfeife im Zusammenklang des ganzen Instrumentes zu erleben.

Weihbischof Dr. Graf stellte seine Predigt unter den Leitgedanken „Das Christusmysterium zum Klingen gebracht“. Neben seinen Gedanken zum Christkönigssonntag und dem Schließen der Pforte der Barmherzigkeit in der Peterskirche durch Papst Franziskus am gleichen Tag zitierte er auch Papst emeritus Benedikt XVI., der vor 10 Jahren anlässlich seines Pastoralbesuches in Bayern die neue Orgel in der Alten Kapelle segnete und dazu ausführte:

„Die Orgel wird seit alters und zu Recht als die Königin der Instrumente bezeichnet, weil sie alle Töne der Schöpfung aufnimmt und … die Fülle des menschlichen Empfindens von der Freude bis zur Traurigkeit, vom Lob bis zur Klage zum Schwingen bringt. Darüber hinaus weist sie, wie alle gute Musik, über das Menschliche hinaus auf das Göttliche hin. Die Vielfalt ihrer Klangfarben, vom Leisen bis zum überwältigenden Fortissimo, erhebt sie über alle anderen Instrumente. Alle Bereiche des menschlichen Seins kann sie zum Klingen bringen. Die vielfältigen Möglichkeiten der Orgel mögen uns … an die Unbegrenztheit und Herrlichkeit Gottes erinnern.“.

Vor dem abschließenden Pontifikalsegen und dem feierlichen TeDeum trat Pfarrer Stefan Haimerl an den Ambo, um noch einmal allen zu danken, die zum Gelingen dieses Werkes beigetragen haben, vor allem dem Orgelbauermeister Claudius Winterhalter aus Oberharmersbach im Schwarzwald und seinen Mitarbeitern. Dank sagte er auch den zahlreichen Spendern und nicht zuletzt der Diözese Regensburg, die die finanzielle Förderung durch eine Änderung der Richtlinien auf zuletzt 45 % der Gesamtkosten angehoben hat. „Es ist unsere Hoffnung und unser Wunsch, dass dieses Instrument über viele Generationen die gefüllte Kirche zum Erklingen bringt.“

Über all die Jahre hinweg hatte Gerhard Siegl, Dozent an der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Orgelsachverständiger der Diözese Regensburg, das Neubauprojekt in Oberisling unermüdlich und kompetent begleitet. In seinem Festkonzert am Nachmittag stellte er das neue Instrument in seiner ganzen Klangvielfalt vor. Gerade bei dem letzten Stück, Introduktion und Passacaglia in d-moll von Max Reger, blickten viele verwundert zur Empore, da wohl niemand dieser doch eher kleinen Orgel eine so gewaltige Klangfülle zugetraut hatte.

Der Bischöfliche Kirchenmusikdirektor Thomas Löffelmann, sowohl beim Gottesdienst als auch beim Konzert anwesend, äußerte begeistert, diese neue Winterhalter-Orgel sei eine der besten in der gesamten Diözese Regensburg.

Ein Wermutstropfen bleibt: Die Orgel ist zwar geweiht, aber noch nicht ganz fertig gestellt. Ein weiteres Register im Pedal wurde zwar vorbereitet, für die zugehörigen Pfeifen aber fehlte schlicht das Geld. Der Orgelbauverein St. Benedikt hat auch in Zukunft noch viel zu tun.

Claus-Jürgen Guder

 

Weihbischof Dr. Josef Graf inzensiert die neue Winterhalter-Orgel mit Weihrauch, rechts Prof. Norbert Düchtel.

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Foto: Philipp Luxi

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Stolz zählen die Ministranten beim Sektempfang den Erlös aus dem Verkauf der Festschrift.

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Foto: Rainer Kühne

 

© Orgelbauverein St. Benedikt Oberisling e.V.